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NOMADEN AUF ZWEI RÄDERN

Zelt und Motorrad - Packmass, Gewicht und Isolationsvermögen: Nicht nur auf Fernreisen entscheidet eine zweckmässige Campingausrüstung über Lust oder Frust.



Besonders auf Reisen mit Motorrad gilt der Satz: Gewicht sparen garantiert besseres Fahrverhalten. Jedoch wird die Ausrüstung umso teurer, je weniger Gewicht man kauft. Denn ein Produkt bei gleicher Qualität leichter zu machen erfordert hochwertige Materialien und aufwändige Verarbeitung.




Schlafen

Facts zum 1000-Sterne-Hotel

Bei den Leichtgewichtszelten – und nur die sind für Töfffahrer von Interesse, spielen klassische Giebelzelte keine Rolle mehr. Kuppelzelte mit ihren gekreuzten Gestängebögen bieten besser nutzbare Innenräume. Bei Windstille stehen sie sogar ohne Heringe, was besonders auf harten Böden von Vorteil ist. Tunnelzelte bieten am meisten Nutzfläche, da die Zeltwände im unteren Bereich praktisch vertikal verlaufen. Sie sind allerdings je nach Windrichtung unterschiedlich stabil, und ohne Heringe geht gar nichts. Zu welcher Form man sich auch entschliesst: In unseren Breiten sollte man nur auf doppelwandige Zelte mit einem wasserdicht beschichteten Aussenzelt und einem wasserdampfdurchlässigen Innenzelt setzen. Grosse Apsiden bieten Raum fürs Gepäck bei schlechtem Wetter. Gute Luftklappen vermeiden Kondenswasser, und Moskitonetze erlauben in heissen Nächten etwas «Durchzug». Das ideale Zelt gibt es nicht. Es gilt Fragen nach Preis, Gewicht, Komfort und Qualität gegeneinander abzuwägen.



Über Schlafsäcke und Isomatten Den passenden Schlafsack zu finden, ist nicht einfach. Deshalb sollte man genaue Vorstellungen über den Einsatzbereich haben. Das persönliche Kälteempfinden entscheidet mit, über welche Temperatur-Werte der Schlafsack verfügen muss. Extremangaben sollte keine Bedeutung zugemessen werden. Besonders «Gfrörlis» sollten nur auf den Komfortbereich achten. Es ist übrigens ein Trugschluss, sich einfach einen Winterschlafsack zuzulegen, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Wer schwitzt, deckt sich ab und erkältet sich. Sinnvoller ist es, in kühlen Nächten einen Fleece überzuziehen. Übrigens: Bei einem zu grossen Schlafsack muss der Körper leeres Volumen erwärmen. Deshalb empfiehlt sich eine auf die Körperform geschnittene Mumieform. Auch die Funktion der Kapuze ist wichtig, da der Mensch am Kopf über 30 Prozent der Körperwärme verliert. Last but not least ist der Einsatzbereich auch abhängig vom Füllmaterial: Für die Daune spricht das kleine Gewicht und geringes Packvolumen bei bester Isolation. Daune verliert aber bei Feuchtigkeit deutlich an Isolationsvermögen. Kunstfasern dagegen isolieren selbst in nassem Zustand gut, trocknen rasch und sind einfach zu pflegen.




Kompressionssäcke verringern das Packvolumen zusätzlich, und gegen Schmutz hilft ein Inlet, das ist ein Innensack aus Baumwolle, Seide oder Fleece. Nun zur Schlafunterlage: Den meisten kommt dabei wohl die gewöhnliche Luftmatratze in den Sinn. Günstig, klein im Packmass und vielfältig nutzbar. Nur, Luftmatratzen isolieren schlecht, da die Luft in den Zellen zirkulieren kann. Sehr gute Isolation bieten dagegen Isomatten. Doch billige Polyethylen-Matten sind oft bereits nach einem Einsatz platt. Hochwertige Produkte sind aus geschlossenporigem PESchaum, nehmen kein Wasser auf, sind leicht, elastisch und druckbeständig, aber voluminös. Das Nonplusultra punkto Isolation und Komfort bei geringem Packmass sind selbstaufblasende Isomatten. Ein beschichtetes Nylongewebe bildet eine wasser- und luftdichte Hülle und umgibt einen Kern aus offenzelligem Schaum. Beim Öffnen des Ventils entrollt sich die Matte, der Schaum dehnt sich aus und saugt so die Luft an.



Kocher

Gas, Benzin oder Spiritus?

Ideal für Reisen in Europa sind Gaskocher. Sie sind einfach zu bedienen, sauber in der Verbrennung und sparsam. Dank neuartigen Ventilkartuschen kann eine angebrochene Kartusche vom Kocher getrennt und zum Beispiel mit einem Lampenaufsatz bestückt werden. Gaskartuschen sind auf Fernreisen jedoch nur schwer erhältlich und dürfen nicht mit ins Flugzeug. Bei Kälte und grossen Höhen nimmt die Leistung von Gaskochern zudem merklich ab. Für Fernreisende sind Benzinkocher besser, da der benötigte Treibstoff eh schon im Töfftank schwappt. Ihr Brennwert ist selbst bei tiefen Temperaturen sehr hoch. Nachteil: Viele Kocher sollten mit bleifreiem Benzin betrieben werden, die Gefahr der Verschmutzung ist so geringer. Teure Brenner sind deshalb als Multibrennstoffkocher konzipiert, das heisst, dass sie auch mit Diesel oder neuerdings sogar mit Gas betrieben werden können. Ideal für Weltreisende. Aber Achtung: Benzin ist krebserregend. Also Hautkontakt vermeiden und beim Kochen den Topfdeckel benützen. Bleiben noch die Spirituskocher. Die ähneln den Brennern, die wir vom Fondue- Rechaud kennen. Sie sind im Aufbau und der Handhabung äusserst simpel und zuverlässig. Leider ist die bescheidene Heizleistung kaum regulierbar.



Essen

Über Pfannen, Teller und Gewürze

Alugeschirr ist leicht, preiswert und äusserst wärmeleitfähig. Darum kühlt es jedoch auch schnell aus, und das Essen brennt schnell an. Weitere Nachteile sind leichte Verformbarkeit und geringe Abriebfestigkeit. Edelstahltöpfe sind zwar schwerer, dafür robust. Sie unterscheiden sich vom Kochtopf zuhause lediglich durch geringere Wandstärken. Für Leute, die auf jedes Gramm achten, ist Titangeschirr erste Wahl. Titan ist sehr leicht, stabil und abriebfest. Die niedrige Wärmeleitfähigkeit wird durch äusserst dünne Wandstärken kompensiert. Nachteil: Der gut doppelt so hohe Preis gegenüber Edelstahl. Auf Teller können all jene verzichten, die ein Topfset mit Deckeln dabei haben, denn Letztere eignen sich dafür bestens. Ein cleveres Besteck-Set beinhaltet gleichzeitig auch Dosen- und Flaschenöffner, und ein Isolierbecher hält das Getränk schön warm. Eine kleine Gewürzdose, die sechs verschiedene Gewürze aufnimmt, verleiht dem Essen pfiff.



Licht

Die Erleuchtung über Lampen

Das romantischste Licht verstrahlen Kerzenlaternen. Die Lichtausbeute hält sich in Grenzen. Die Lampen sind simpel, stabil und brennen mit Hilfe einer speziellen Kerze gut neun Stunden. Wer schon einen Gaskocher mit Ventilkartuschen hat, wählt natürlich eine Gaslampe. Die lassen sich gut regulieren und brennen ohne zu russen. Benzinlaternen verfügen über einen eingebauten Tank, der je nach Modell von 0,25 l bis 1,0 l fasst. Selbst kleinste Lampen geben helles Licht und lassen sich sauber regulieren. Bleibt noch die klassische Petroleumlampe. Die überzeugt durch einfachste Technik. Ihre Lichtausbeute ist zwischen Kerzen- und Gaslaternen anzusiedeln. Wer nachts mal raus muss, braucht eine Taschenlampe oder besser eine Stirnlampe in LED-Technologie. Die lässt einem beide Hände frei und benötigt nur 5–10% der Energie herkömmlicher Taschenlampen, ist sehr robust und besitzt eine Lebensdauer von über 10 Jahren. Und einen gleichmässig hellen Lichtkegel gibt es noch als Zugabe.


Für mich gibt es viele gute Gründe fürs Campen. Einer davon ist, dass Campen das Outdoor-Hobby Motorradfahren noch intensiver macht.

Begegnung in Angola.


Die Last mit der Last

Einen Töff reisetauglich zu bepacken, benötigt einige Erfahrung sowie die geeigneten Verstaumöglichkeiten: Koffer bieten viel Stauraum, sind abschliessbar und zumeist wasserdicht. Modelle aus Kunststoff sind meist vertikal geteilt, das Be- und Entladen der montierten Koffer ist umständlich. Dagegen

lassen sich Aluboxen mit abnehmbaren Deckeln auch am Töff bequem be-und entladen. Dank Ösen kann aussen Zusatzgepäck aufgeschnallt werden, und die Aluboxen eignen sich sogar als Tisch oder Hocker. Nachteil: Der Alu-Abrieb, welcher jedes Gepäckstück einschwärzt. Koffer samt Träger können bis zu zehn Kilo wiegen. Für Gewichtsfetischisten bieten sich als Alternative Sattel- oder Hecktaschen an. Die benötigen zumeist keinen Gepäckträger und sind federleicht. Dichte Gepäckrollen (Ortlieb) sind ideal, um längs oder quer auf den Töff gezurrt zu werden. Ein Tankrucksack empfiehlt sich für alle Dinge (Fotoapparat), die schnell zur Hand sein sollten.Grundsätzlich gilt: Das Gepäck möglichst nahe am Schwerpunkt des Töffs befestigen. Also Koffer nicht zu weit hinten montieren. Nie Gepäck am Lenker oder an der Gabel befestigen. Lieber Spanngurte als Gummispinnen zur Gepäckbefestigung verwenden. Die lassen sich kontrolliert nachziehen und eignen sich auch als Wäscheleinen.



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